• Erwin

    von Veröffentlicht: 27.01.2017 13:19     Seitenaufrufe: 1915 

    Gerade habe ich in Peleggis Buch „Thailand - the Worldly Kingdom“ einige Einzelheiten über die bekannte Reiterstatue von Rama V (Chulalongkorn) gelesen, die ich ganz interessant finde und die vielleicht nicht jeder weiß….

    Die Statue war im Frankreich modelliert worden, von zwei Künstlern, C.E.Masson und G.Saulo hießen sie. Der eine stellte das Pferd, der andere den Reiter her. Im Sommer 1908 war das Monument fertig geworden und wurde nach Bangkok verschifft.
    Chulalongkorn ließ die Statue errichten, weil er wollte, dass er in der Erinnerung der Thais als Initiator von Siams Fortschritt fortleben wollte. Die Idee dazu hat er bei einem Besuch Europas bekommen, wo er –z.B. in Paris- viele Statuen gesehen hat.
    Die Kosten für das Projekt (200.000 Baht) kamen durch Spenden zustande. Es wurde viel mehr gespendet, als die Statue kostete, und zwar das 6fache des benötigten Betrags. Was zu viel war, wurde später für den Bau der Chulalongkorn-Universität verwendet.
    Die ersten Betrachter des Monuments, das am Lumpinipark auf einem marmornen Sockel aufgestellt wurde, müssen mehr als erstaunt gewesen sein, sah man doch bis dahin den Elefanten als das einzige dem König angemessene Reittier an. Auch war bislang noch niemals ein Thaikönig durch eine realistisch porträtierte Statue dargestellt worden.
    Schon bald nach Chulalongkorns Tod, genauer am 23.10.1912, richtete sein Nachfolger Rama VI den „Chulalongkorn-Gedächtnistag“ ein. An dem Reiterdenkmal fand regelmäßig eine Zeremonie statt, bei der Schulkinder, Lehrer und Beamte Blumenkränze niederlegten.
    Etwa seit 1990 kam es dazu, dass zunächst jeden Dienstag (Rama V wurde an einem Dienstag geboren), dann auch jeden Donnerstag, sich zahlreiche Menschen versammelten, Kerzen und Räucherstäbchen anzündeten und Blumen und Porträts von Rama V niederlegten, aber auch importierte Luxusgüter wie französischen Kognac (das Lieblingsgetränk von Rama V) oder kubanische Zigarren. Der Ursprung hierfür lag bei reichen Sino-Thai Unternehmern, die in den Jahren davor viel Geld verdient hatten.
    Die Menschen, die heute noch am Denkmal Blumen niederlegen oder Kerzen bzw. Räucherstäbchen anzünden, tun das nicht so sehr, um den König zu ehren, sondern aus egoistischen Gründen: abergläubig wie sie sind, erhoffen sie sich Glück und Reichtum….Chulalongkorn wird hier nicht als „Vater der Nation“ sondern als „Schaffer von Reichtum und Wohlstand“ verehrt.
    Erwin